Technology Acceptance

Akzeptanz von Ärzten/Krankenpflegern (Professionals) gegenüber der neuen Medizintechnik national und international

Sabur Safi

1. Einleitung

Die neue Medizintechnik bzw. innovative Systeme und Applikationen finden heute in allen medizinischen Einrichtungen, wie Arzt- und Zahnarztpraxen, Ambulanzen, Rehabilitationskliniken, Altenpflege- und Behindertenheimen sowie Krankenhäusern und Kliniken, ihren Einsatz. Der Bereich artificial Intelligence (künstliche Intelligenz) entwickelt sich sehr intensiv, sodass diese ein immer größeres Interesse für alle Branchen darstellt. Gerade in der Medizin können Machine Learning und Big Data einen enormen Nutzen bringen. Die Daten sind einer der treibenden Faktoren der Medizinbranche, und die künstliche Intelligenz ist imstande, diese Daten schneller und effektiver zu bearbeiten. Chatbots eignen sich besonders gut zum Zweck der gesundheitsbezogenen Beratung. Sämtliche Gesundheitszusammenhänge werden von Maschinen rascher und effizienter erkannt, was die diagnostischen Prozesse revolutionieren kann. Darüber hinaus hilft die artificial Intelligence den Fachkräften bei der Behandlung, indem mit deren Hilfe die bestmöglichen Behandlungsmaßnahmen für einzelne Patienten ausgewählt werden können. Laut den aktuellen Angaben wird erwartet, dass der durch die künstliche Intelligenz unterstützte Gesundheitssektor bis zum Jahr 2021 ein 6,6 Milliarden Dollar Markt sein sollte. Dabei soll die artificial Intelligence nicht nur Arbeitsprozesse in gesundheitlichen Einrichtungen, sondern auch die Behandlungs- und Diagnoseverfahren optimieren.1
Trotz der optimistischen Perspektiven und zahlreichen Vorteile der neuen Medizintechnik wird diese noch nicht übergreifend eingesetzt. Der Grund dafür liegt in kritischen bzw. skeptischen Einstellungen des medizinischen Personals. Um die neue Medizintechnik erfolgreich einzusetzen, soll das medizinische Fachpersonal (Ärzte und Pflegekräfte) gezielt vorbereitet und geschult werden. Auch die Sensibilisierung der medizinischen Fachkräfte für die Nutzung von computergestützten Systemen und Applikationen im Arbeitsalltag ist essenziell, sodass die psychologischen Aspekte von Akzeptanz der neuen Medizintechnik zu berücksichtigen sind. Diese werden im Folgenden näher betrachtet.

2. Einstellung der Fachkräfte gegenüber der neuen Medizintechnik national und international

Neue Technologien eröffnen heute immer mehr Möglichkeiten und Wege in der Medizin. Die Medizintechnik verbessert in den meisten Fällen die Lebensqualität der Menschen mit Behinderungen, die Prozesse der Heilung, den Ablauf der Diagnose und der pflegerischen Betreuung sowie sämtliche Behandlungsprozesse allgemein.1 Medizintechnische Innovationen werden in Deutschland durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und die Wirtschaftsförderung der Bundesländer gefördert. Es werden zahlreiche Maßnahmen zur Förderung der Medizintechnik ergriffen, die aufzeigen, dass sowohl die Politik als auch der Wirtschafts- und Technologiebereich die Medizintechnik als Zukunftsindustrie betrachten und diese auf verschiedene Weisen zu unterstützen versuchen. In der Gesellschaft werden Innovationen in der Medizintechnik breiter akzeptiert als Innovationen in anderen Bereichen und sind sogar erwünscht. Immer mehr Menschen sind auf medizintechnische Innovationen angewiesen.2 Die Branche der Medizintechnik gilt in Deutschland grundsätzlich als innovativ, perspektiv und wachstumsfähig.3 Trotzdem wird der größte Umsatzanteil vor allem im Ausland gemacht. Der deutsche Binnenmarkt der Medizintechnik wächst langsamer als der Weltmarkt: ein höheres Wachstumspotenzial in der Branche weisen Russland, China, Amerika, Australien und andere Länder auf. Der Grund dafür liegt in einer mangelhaften bzw. fehlenden Akzeptanz der neuen Medizintechnik durch deutsche Fachkräfte. International fällt diese Akzeptanz grundsätzlich höher aus.4
Medizinische Fachkräfte in Deutschland betrachten die Themen Big Data, artificial Intelligence und Präzisionsmedizin grundsätzlich skeptischer im Vergleich zu ihren Kollegen im Ausland. Dies wird durch die Befunde des Future Health Index 2017 nachgewiesen, für den mehr als 33000 medizinische Fachkräfte und Bürger in 19 Ländern zum Gesundheitssystem und zu seinen Tendenzen befragt wurden. Entsprechend dem Future Health Index 2017 vertreten 73 Prozent der medizinischen Fachkräfte die Meinung, dass der Einsatz von innovativer Medizintechnik eine große Bedeutung für die Verbesserung der Prävention und der häuslichen Pflegeleistungen hat. Gleichzeitig weisen 63 Prozent der medizinischen Fachkräfte darauf hin, dass neue Technologien derzeit nur selten eine Anwendung im Arbeitsalltag finden. Die künstliche Intelligenz wird von medizinischen Fachkräften international als Konkurrenz empfunden, obwohl es klar ist, dass diese die persönliche Zuwendung des medizinischen Personals kaum ersetzen kann. Auch das technische Verständnis wurde als Hürde auf dem Weg zur flächendeckenden Etablierung der innovativen Medizintechnik erkannt – vor allem in Deutschland, aber auch in Europa im Allgemeinen (unter anderem in Italien).1 Es soll mehr getan werden, um eine technologiegestützte vernetzte Versorgung einzuführen und ihre korrekte Anwendung zu demonstrieren. So sind beispielsweise Schulungen zur technologiegestützten vernetzten Versorgung für medizinische Fachkräfte in Europa erforderlich.2
Diese Ergebnisse werden auch durch das aktuelle Mutaree-Change-Barometer für die deutsche Gesundheitsbranche bestätigt, das 2017 durchgeführt wurde. Von 89 Prozent der befragten medizinischen Fachkräfte, deren Gesamtanzahl 100 Personen betrug, wird die Digitalisierung als die größte Herausforderung der Branche angesehen, die sich bis 2021 noch verstärken muss. Die Akzeptanz der digitalen Veränderungen ist in der Branche allerdings noch nicht gegeben, wobei im klinischen Umfeld in erster Linie die Unzufriedenheit mit medizintechnischen Systemen besonders hoch ist.3
Auch in der Studie des internationalen Beratungsunternehmens Deloitte wurde festgestellt, dass das Internet der Dinge im deutschen Gesundheitsbereich auf erhebliche Akzeptanzprobleme stößt.4 Dafür gibt es unterschiedliche Gründe. Der erste Grund erschließt sich in einer nicht ausreichenden Verfügbarkeit von Ressourcen und Kapazitäten, die für einen flächendeckenden Einsatz der innovativen Medizintechnik notwendig ist. Die Suche nach qualifizierten Fachkräften wird in diesem Kontext zu einer richtigen Herausforderung. Der zweite Grund betrifft die bestehenden Kommunikationsdefizite: die medizinischen Fachkräfte sind von vielfältigen Vorteilen der neuen Medizintechnik zu überzeugen, damit sie sich auf einen grundlegenden Wandel ihrer Arbeitsroutine einlassen könnten. Es ist essenziell, das Vertrauen gegenüber der technologiegestützten vernetzten Versorgung bei professionellen Fachkräften zu generieren. Zu diesem Zweck ist es besonders wichtig, ein tiefes und fundiertes Verständnis von fachspezifischen Bedürfnissen der medizinischen Fachkräfte im Kontext der innovativen Medizintechnik zu entwickeln. Nur unter der Bedingung einer globalen Veränderung bzw. Modifizierung der Infrastruktur kann eine allgemeine Akzeptanz geschaffen werden. Medizinischen Fachkräften soll es klar sein, dass sie – wie auch alle anderen Beteiligten – von der Anwendung der neuen Medizintechnik profitieren können. Unter dieser Voraussetzung kann deren allgemeine Akzeptanz erreicht werden.5
Bei der Betrachtung der Einstellungsfrage in Bezug auf die neue Medizintechnik sowohl national als auch international gilt es zu berücksichtigen, dass die Akzeptanz der medizintechnischen Innovationen von zahlreichen Faktoren abhängt, wie z. B. Alter, Gender, sozioökonomischer Status und Ähnliches. Für medizinische Fachkräfte sind wahrgenommene Vorteile bzw. der wahrgenommene Nutzen der neuen Medizintechnik einer der wichtigsten Akzeptanzfaktoren.1 Auch die wahrgenommene Einfachheit der Nutzung beeinflusst die Einstellungen der Fachkräfte zur neuen Medizintechnik und führt zu deren höheren Akzeptanz. Weitere Einflussfaktoren sind die Jobrelevanz der Medizintechnik (deren Relevanz für die Arbeitsroutine der jeweiligen Fachkräfte) sowie subjektive Determinanten (z. B. die wahrgenommene Akzeptanz der Kollegen und persönliche Technologieneigung).2

3. Fazit und Ausblick

Die Medizintechnik erlebt heutzutage ihren Aufschwung weltweit. Die voranschreitende Digitalisierung treibt die Entwicklung von neuen medizintechnischen Systemen und Applikationen, durch deren Einsatz sämtliche Prozesse der Gesundheitsversorgung vereinfacht bzw. optimiert werden können. Trotzdem fehlt es immer noch an der Akzeptanz der innovativen Medizintechnik seitens der medizinischen Fachkräfte – und dies sowohl international als auch national. Die Gründe dafür sind vielfältig und beziehen sich nicht nur auf ein mangelhaftes Technikverständnis und Kommunikationsdefizite in Bezug auf die neue Medizintechnik, sondern auch auf subjektive Voraussetzungen, Akzeptanz durch Kollegen und den wahrgenommenen Nutzen der Medizintechnik. Da die Tendenz zum flächendeckenden Einsatz der innovativen Medizintechnik auch die Zukunft der Gesundheitsversorgung prägen wird, ist es erforderlich, bereits heute die Akzeptanz der medizinischen Fachkräfte durch Schulungen, Weiterbildungen und unterschiedliche Fördermaßnahmen zu stärken und auszubauen.

Literaturverzeichnis


1. Bundesministerium für Bildung und Forschung (2018): Die Medizintechnik stellt sich den Herausforderungen der Zukunft. Online auf:www.bmbf.de, letzter Zugriff 23.10.2018.
2. BVMed (2018): Branchenbericht Medizintechnologien 2018. Berlin: Bundesverband Medizintechnologie.
3. Deloitte (2018): MedTech and the Internet of Medical Things. Online auf: www2.deloitte.com, letzter Zugriff: 28.10.2018.
4. Gücin, N. Ö. & Berk, Ö. S. (2015): Technology Acceptance in Health Care: An Integrative Review of Predictive Factors and Intervention Programs. In: Procedia – Social and Behavioral Sciences 195, S. 1698-1704.
5. Ketikidis, P. Dimitrovski, T., Lazuras, L. & Bath, P. A. (2012): Acceptance of health information technology in health professionals: an application of the revised technology acceptance model. In: Health Informatics Journal, 18 (2), S. 124-134.
6. Kimpen, J. & Mechael, P. (2017): Future Health Index Report 2017: Überblick über die wichtigsten Erkenntnisse. Online auf: www.futurehealthindex.com, letzter Zugriff: 28.10.2018.
7. Mutaree GmbH (2017): Druck bei Fachkräften und Digitalisierung. Online auf: medizin-und-technik.industrie.de, letzter Zugriff: 28.10.2018.
8. Pinker, A. (2017): AI Healthcare: Artificial Intelligence in der Medizin. Online auf: medialist.info, letzter Zugriff: 28.10.2018.
9. Schneider, A. (2014): Medizintechnik – Branche wächst weltweit stärker als in Deutschland. GENIOS BranchenWissen Nr. 06, GBI-Genios Wirtschaftsdatenbank GmbH.
10. Wallenfels, M. (2018): Technikverständnis höchste Hürde für intelligente Versorgung. Online auf: www.aerztezeitung.de, letzter Zugriff: 28.10.2018.
11. Zippel, C. (2016): Die Bedeutung von Post Market-Management in der Medizintechnik. Wiesbaden: Springer.

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