Gesundheitskompetenz und Gesundheitszustände

Julia Göhler

‚Digilog’ als relevanter Beitrag zur Förderung von Gesundheitskompetenz und Gesundheitszuständen

Über 40 Millionen der Deutschen, d. h. über die Hälfte der deutschen Bevölkerung hat Probleme damit sich gesund zu erhalten (vgl. Sørensen, 2015). Im gesamtgesellschaftlichen Vergleich zeigen Menschen dieses Bevölkerungsanteils ein riskanteres gesundheitsrelevantes Verhalten, weisen eine schlechtere Gesundheit auf und werden häufiger ins Krankenhaus eingewiesen. Es macht ihnen bspw. erhebliche Probleme den Beipackzettel ihrer Medikamente oder Angaben auf Lebensmittelverpackungen zu verstehen. Vertrauenswürdige Informationen über eine Krankheit zu finden und zu entscheiden wann eine Zweitmeinung von einem Arzt wichtig wäre, fällt ihnen schwer (vgl. Schaeffer et al., 2017).

Auch wenn ältere Menschen, sozialschwächere und bildungsferne Gruppen einen größeren Anteil an dieser Zuschreibung ausmachen (Abb. 1, Einflussfaktoren), sind Menschen allen Alters, aller sozialen Status und aller Bildungsniveaus von ungünstigem Gesundheitsverhalten, kritischen Gesundheitszuständen und der akuten bzw. intensiven Inanspruchnahme des Versorgungssystems (Abb. 1, Gesundheitliches Outcome) – kurz: von unzureichender Gesundheitskompetenz – betroffen (vgl. Kickbusch et a., 2016).

Einflussfaktoren

Abbildung 1: Einflussfaktoren auf die Gesundheitskompetenz und das Gesundheitliche Outcome (adaptiert in Anlehnung an Sorensen et al. (2012))

Unter Gesundheitskompetenz wird „das Wissen, die Motivation und die Fähigkeit von Menschen [verstanden], relevante Gesundheitsinformationen in unterschiedlicher Form zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und anzuwenden, um im Alltag in den Bereichen [Gesundheitsversorgung], Krankheitsprävention und Gesundheitsförderung Urteile fällen und Entscheidungen treffen zu können, die ihre Lebensqualität während des gesamten Lebensverlaufs erhalten oder verbessern.“ (Kickbusch et al., 2016, S. 6).

Da die Ausprägungen von Gesundheitskompetenz für den Einzelnen, allerdings ebenso für die Gesellschaft handlungsleitend werden, d. h. Einfluss u. a. auf das Gesundheitsverhalten und den Gesundheitszustand von Menschen nehmen, drängt sich die Frage nach der Förderung von Gesundheitskompetenz geradezu auf.

Unter Betrachtung des Status von Gesundheitskompetenz in Deutschland, kann davon ausgegangen werden, dass das Bildungssystem noch nicht ausreichend auf die Anforderungen, eine umfassende Gesundheitskompetenz zu entwickeln, vorbereitet ist, etwa indem grundlegende Fähigkeiten, wie Lesen, Zuhören, logisch Denken und eine Sensibilität für die Relevanz der eigenen Gesundheit nachhaltig ausgebildet worden wären. Gleichzeitig scheint ein Ausgleich dieser fehlenden Fähigkeiten, im Sinne des lebenslangen Lernens, nicht umfassend gelungen, insofern als dass Wissen und Fähigkeiten erworben und sich der Gesundheitsstatus der Bevölkerung verbessert hätte.

Unterdessen ist zu konstatieren, dass sich der Kontext, in dem Gesundheitskompetenz zu erwerben ist, als herausfordernd darstellt. Beispielsweise erscheinen darunter die aktive Bewerbung eher ungesunder Nahrungsmittel und Lebensweisen sowie ein durchaus komplexes Gesundheitssystem, welches das Finden und Managen gesundheitsrelevanter Informationen eher schwer ermöglicht, paradox (Schaeffer et al., 2018).

Umso entscheidender ist es Gesundheitskompetenz stärker als gesamtgesellschaftliches Thema zu betrachten und bezüglich deren Förderung systematisch vorzugehen (WHO, 1986, 2016), um die umfangreichen Teilkompetenzen aufbauen zu können (Abb. 2).

Subdimension

Abbildung 2: Subdimension ‚Gesundheitsrelevante Informationen anwenden’ des konzeptionellen Modells des HLS-EU (Sorensen et al., 2012), erweitert um den Übertrag auf E-Health

U. a. in Anlehnung daran fordert der Nationale Rahmen Gesundheitskompetenz (Schaeffer, et al., 2017 & 2018a,b) mittels 15 Punkten und dazugehörigen Lösungsansätzen bspw. die feste Implementierung von Gesundheitskompetenz in Bildungs- und Lehrplänen. Ebenso wird verlangt die Kommunikation zwischen den Gesundheitsprofessionen und Nutzern verständlich und wirksam zu gestalten sowie die Partizipation von Patienten zu erleichtern und zu stärken (vgl. Schaeffer, 2018a, S. 32 – 51).

Überträgt man diese Forderungen zur Entwicklung von Gesundheitskompetenz auf das Potenzial von E-Health1-Ansätzen, so stehen vor allem digitale Lösungen im Vordergrund, bspw. Wearables, um zum einen die umfangreich unzureichende Gesundheitskompetenz zu fördern, aber vor allem Produkte bzw. Leistungen bereitzustellen, die das Potenzial haben auch eine bestehende, geringe Gesundheitskompetenz aufzufangen. Im Verbundvorhaben ‘digilog’ wurde dazu u. a. ein EKG-Sensor entwickelt, der kabellos Herzschläge aufzeichnet. Die Werte können per Bluetooth an ein Smartphone und auf einen sicheren Datenspeicher übertragen werden. Insofern kann präventiv, als auch in akuten Situationen ein Beitrag dazu geleistet werden Gesundheit zu schützen. Über eine Information der Patienten durch geschulte Gesundheitsakteure wird im Erfolgsfall dabei unterstützt, dass Patienten informiertere Entscheidungen zu E-Health-Angeboten treffen, Gesundheitsrisiken vermeiden sowie präventiv handeln.

Quellen

BMG (2018). Definition E-Health
www.bundesgesundheitsministerium.de (letzter Zugriff, 01.11.2018)
Kickbusch, I., Pelikan, J. M., Haslbeck, J., Apfel, F., Tsouros, A. (Hrsg.) (2016): Gesund-heitskompetenz. Die Fakten 2016.
www.careum.ch (letzter Zugriff, 01.11.2018)
Schaeffer, D., Berens, E. M., Weishaar, H., & Vogt, D. (2017). Gesundheitskompetenz in Deutschland–Nationaler Aktionsplan. In Public Health Forum (Vol. 25, No. 1, pp. 13-15). De Gruyter.
Schaeffer, D., Hurrelmann, K., Bauer, U. und Kolpatzik, K. (Hrsg.) (2018a): Nationaler Aktionsplan Gesundheitskompetenz. Die Gesundheitskompetenz in Deutschland stärken. Berlin: KomPart.
Schaeffer, D., Hurrelmann, K., Bauer, U., Kolpatzik, K., Gille, S., & Vogt, D. (2018b). Der Nationale Aktionsplan Gesundheitskompetenz–Notwendigkeit, Ziel und Inhalt. Das Gesundheitswesen.
Schaeffer, D., Vogt, D., Berens, E. M., & Hurrelmann, K. (2017). Gesundheitskompetenz der Bevölkerung in Deutschland: Ergebnisbericht.
Sørensen, K., Pelikan, J. M., Röthlin, F., Ganahl, K., Slonska, Z., Doyle, G., … & Falcon, M. (2015). Health literacy in Europe: comparative results of the European health literacy survey (HLS-EU). European journal of public health, 25(6), 1053-1058.
Sørensen, K., Van den Broucke, S., Fullam, J., Doyle, G., Pelikan, J., Slonska, Z., & Brand, H. (2012). Health literacy and public health: a systematic review and integration of definitions and models. BMC public health, 12(1), 80.
World Health Organization Europe (1986). Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung. Kopenhagen: WHO.
World Health Organization (2016). Shanghai Declaration on Promoting Health in the 2030 Agenda for Sustainable Development.
www. who.int(letzter Zugriff, 01.11.2018)

Julia Göhler

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